womens 100

Womens100 Berlin an der Avus, © Frank Kreitner <a href='https://www.facebook.com/Cyclingsportfoto'>Cycling Sport Foto</a>20. Juli 2014: die Velonistas Berlin luden zum Rapha Womens100. Rapha ist ein Hersteller von Fahrrad-Klamotten und hatte wohl schon letztes Jahr dazu aufgerufen, daß Frauen weltweit 100 Km Fahrrad fahren. Für Berlin organisierten die Velonistas eine Tour mit Pause für Kaffee und Kuchen. Naja, es war gut heiss, so um die 31 Grad, das wurden eher mehrere große Schorlen, Cola usw.

Treffpunkt war am NDuro Life, wo wir nach den absolvierten 100 Km auch wieder einflogen und ein Freigetränk und ein freies Essen bekamen - Danke dafür! In Beelitz wurden wir für die Pause am Jacobs Hof versorgt - dank vorheriger Anmeldung wurde unser 45 Köpfe zählendes und halb verdurstendes Frauen-Rudel fix mit Getränken und Kalorien versorgt.

Serious Girls Talk, © Frank Kreitner <a href='https://www.facebook.com/Cyclingsportfoto'>Cycling Sport Foto</a>Vor der Weiterfahrt blieb noch etwas Zeit zum Reden. Aber nicht nur Strecke, Start und Pause waren organisiert: wir hatten einen eigenen Fotografen, Frank Kreitner von Cycling Sport Foto, der uns über die gesamte Strecke begleitete. Sowie einen Notfall-Wagen, den Tina von den Velonistas fuhr und dabei auch noch der mittleren Gruppe einige zu aufdringliche AutofahrerInnen auf Abstand hielt.

Eine mögliche Form von Glück, © Frank Kreitner <a href='https://www.facebook.com/Cyclingsportfoto'>Cycling Sport Foto</a>Es fuhren 3 Gruppen: eine schnellere, so 28er Schnitt, und zwei mit eher 25er Schnitt. Ich sortierte mich in die langsamere ein, weil ich gerade 2 Wochen an einer Sommergrippe laboriert hatte und der Husten noch nicht ganz weg war. So konnte ich eine gemütliche Reha-Runde fahren, die mir erstaunlich gut bekam. Spontan nahm ich den Job an, als Letzte zu fahren und auf den Peloton aufzupassen. Meist gefolgt von Tinas weissem Auto in angenehmem Abstand.

Mir behagte dieser Posten sehr: ich konnte gemütlich vor mich hin fahren, ohne zu viel reden zu müssen. Meine Stimme war noch sehr derangiert vom Husten, mitunter brachte ich nur ein heiseres Krächzen heraus, wenn ich eigentlich "Achtung, Auto!" rufen wollte, wenn wir von hinten überholt wurden. Ausserdem konnte ich mal so einen Peloton studieren - ein höchst flexibles Wesen. Faszinierend, wie es einerseits ein recht kompaktes Gebilde ist, das sich so in disziplinierter Zweier-Reihung durch die Landschaft windet. Und gleichzeitig quasi on the fly schmaler wird, sich in Einer-Reihung durch schmale Stellen zieht, um sich dann wieder kompakt weiterzubewegen.

Wer nicht mehr so gut konnte, wurde freundlich mitgenommenWas ich hinten auch gut mitbekam: wer nicht mehr so gut konnte. Insbesondere beeindruckt hat mich eine Geste von Dana Skowrnowski als es etwas hügeliger wurde. Einer Fahrerin setzte zusätzlich zu den Anstiegen die Hitze zu. Dana fuhr mit ihr vor mir und erklärte dabei das richtige Fahren am Hang (Berg möchte ich für das Berliner Umland nicht sagen). Gemächlich aber locker treten, tief atmen. Insbesondere Letzteres machte sie vor und es war deutlich zu merken, wie bei der anderen Fahrerin die Anspannung abfiel und die Konzentration sich auf die Fahrtechnik verlagerte. Das ist einfach grossartig. Hier ging es ja nicht nur um die Vermittlung von Fahrtechnik, sondern es kommt ja auch noch die Glaubwürdigkeit der Renn-Erfahrung dazu.

Socialisen im Peloton, © Frank Kreitner <a href='https://www.facebook.com/Cyclingsportfoto'>Cycling Sport Foto</a>Im Laufe des Rückwegs gabelten wir noch ein paar Jungs auf und ich war nicht mehr auf meinem einsamen Posten. So ergab sich ein gutes Gespräch mit Gesa aus Braunschweig. Überhaupt: eine Teilnehmerin kam aus Mexiko, lieh sich ein Fahrrad und fuhr mit. Ich glaube, sie war die Einzige ohne Rennrad und Klickpedale, hatte aber riesig Spaß und machte gute Stimmung. Es kommt halt nicht immer auf das richtige Equipment an. Etwas schade war es, daß eine Fahrerin aus Singapur nicht mitfahren konnte, weil das Rad nicht mitspielte. Ich "kannte" sie von Strava. Sie besuchte einen Sommerlehrgang in Berlin und hatte sich daher auch für den womens100 angemeldet. Dafür kam sie morgens um 8 bei mir vorbeigejoggt, um mir zu sagen, daß sie es nicht schaffen würde o_O.

High Noon Photo-ShootingInsgesamt war es ein schöner Sommertag auf dem Rad, noch einmal Danke an die Velonistas für die gute Organisation, Frank Kreitner für die Fotos und NDuro-Life für die Versorgung. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß sich die meisten AutofahrerInnen ziemlich angenehm verhielten bis auf: 1. einen Taxifahrer in Potsdam, der meinte, uns in den Gegenverkehr überholen zu müssen, dann in die Bredouille kam und rechts in den Peloton hineinfuhr. Nur um dann wieder zu beschleunigen und direkt vor uns rechts abzubiegen - jelernt is jelernt, wie man in Berlin so sagt! Und 2. einen Kleinbus, der von hinten herangebraust kam, uns bemerkte, hupte und voll Stoff in die Gruppe fahren wollte. Als ich seine Hupe hörte, fuhr ich weiter links und bremste ihn per Handzeichen aus. Das sind so Fälle, wo ich mich schon frage, ob der Mensch hinter dem Steuer wohl einen Führerschein hat?

Auch Rapha hat zum womens100 gebloggt, unter anderem eine unterhaltsame Infografik, aus der hervorgeht, daß 834 Männer teilnahmen, die nicht lesen können. Interessant dazu auch die Strava-Statistik, nach der 1327 Männer nicht lesen können :D Mein Eindruck ist, daß es sich beim Rapha womens100 um eine sehr geschickte, social media-taugliche Marketing-Aktion handelt. Rapha hält sich intelligent im Hintergrund, der Spaß steht an erster Stelle und es ist eine schöne Sache zu wissen, daß weltweit 8200 Frauen 100 Km fahren, manche davon zum ersten Mal. Well done!

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  • gesa am The Aftermath 57, 3180, 20:59

    schön geschrieben, regine. und es war ein wirklich schöner tag. ich hoffe, wir fahren eines tages wieder!

  • Regine Heidorn am The Aftermath 57, 3180, 22:09

    Jo, Gesa, das war es, auch wenn ich eigtl noch leicht erkältet war ... aber hey, es sieht so aus, als hätten wir im sich nun mit Riesenschritten nähernden neuen Jahr die Chance auf ein paar mehr flotte Rennkilometerchen. Ein guter Grund, sich auf 2015 zu freuen.

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