Velothon 2013

Vor dem StartBei solcher Gelegenheit wie dem Velothon bin ich ja der dreissigjährigen Regine immer noch dankbar dafür, dass sie sich dieses phantastische Fahrrad zugelegt hat. Genaugenommen habe ich es mir damals zum 30. Geburtstag geschenkt. Einige Jahre war es etwas unbenutzt, aber seit Ende 2012 habe ich meinen alten Spaß am Rennradfahren wiedergefunden und mich entschlossen, den Velothon in der 60-KM-Variante anzugehen.

Meine Hausstrecke geht über 20 KM die Rummelsburger Bucht raus und am Plänterwald wieder zurück. Der Plan war, ab April auf 30 KM zu erweitern. Allerdings machten mir da zuerst die lange Kälte und die vereisten Strassen einen Strich durch die Rechnung. Danach der Regen und pünktlich 3 Wochen vor dem Velothon wurde ich krank, richtig heftiger Allergie-Anfall, seit Jahren nicht mehr gehabt. Positiv daran: seit 3 Wochen rauche ich nicht mehr.

Ein wenig Husten ist noch übrig geblieben, aber da sich sonst alles gut anfühlte und ich mich einfach nur freute - rauf auf's Rad! Die Vorbereitung am Samstag bestand vor allem darin, mich nochmal richtig gut zu erholen und die Körperspeicher mit einem ordentlich Teriyaki-Burger im Burgeramt aufzufüllen. Früh hinlegen, entspannen, schlafen.

Startblock DKurz vor sieben ging es auf's Rad, auf dem Weg zum Start waren immer mehr KollegInnen auf der Strasse, die Sonne schien nicht zu warm - perfekt. Am Start einen Müsli-Riegel und so eine Energiepampe geholt, die nach Orange schmecken sollte, nochmal ordentlich trinken. Bei der Anmeldung gab ich als Durchschnittsgeschwindigkeit 28 km/h an - auf meinen 20-KM-Runden komme ich meist auf 26, beim Velothon ohne Stoppen an Ampeln und mitgerissen von der Gruppendynamik schien mir 28 eine stabile konservative Schätzung. Damit landete ich mit meiner Altersgruppe WSEN2 (Seniorinnen2) im Startblock D.

Velothon StreckeRelativ pünktlich ging es los auf die Strecke. Der Plan war, bis zur Verpflegung bei KM 33,7 gezügelt zu fahren und dann alles zu geben. Das ging so gar nicht auf - ab der Verpflegungsstelle hatte ich nur noch Blei in den Beinen. Klar, das Pensum ging ab da deutlich über meine gewohnte Strecke und die Steigungen der Havelchaussee verlangten ihren Tribut.

Velothon VerpflegungsstelleIch hatte schon länger versucht, Leute zu finden, mit denen ich ein kleines Team bilden könnte, aber irgendwie hab ich dafür die falschen Bekannten ... bis zur Verpflegungsstelle war das auch nicht so wild, alles rollte gut im Pulk. Danach war ich froh, für ein paar Kilometer mal am Hinterrad zu hängen. Manche Gruppen hatten dabei eine echt unangenehme Art des Überholens: kaum war der erste links an mir vorbei, schwenkte er nach rechts rüber und ich hatte ihn vor der Nase. Was ja nicht so wild ist, denn er war ja schneller. Aber die getreuen Gefolgsleute hinter ihm wollten natürlich wieder in den Windschatten und drängten mich folglich nach rechts ab. Leute, im Reglement steht extra: fahrt Eure Linie. Wenn ihr in der Gruppe überholt, dann bleibt auch links.

Es war überhaupt erstaunlich, wie bunt gemischt die RadfahrerInnen und Fahrräder waren. Etwas leid tat mir der ältere Herr mit dem etwas umfangreicheren Körper, der sich erst mühsam an mir vorbeiquälte und mich dann dafür am Hinterrad hatte. Dafür lutschten auch einige bei mir mit, insbesondere das Mädel mit den neonfarbenen Kompressionsstrümpfen - gern geschehen :-) Hart fand ich 3 Stellen: das Flugfeld Tempelhof - seit ich in Berlin wohne, also seit August 2003, träume ich davon, mal an einem Radrennen auf dem Flugfeld teilnehmen zu können - check! Aber da kriegste echt nix geschenkt. Der Belag klebt an den Reifen und der Wind ist nicht ohne. Vor mir fuhr ein Typ mit ewig dicken Geländereifen in einem ordentlichen Tempo, nicht schlecht.

Die 2. Stelle war zwischen Tempelhof und der Annäherung an's Ziel. Bei jedem etwas stärkeren Antritt beschwerten sich meine Beine sofort, keine Chance. Da war ich wirklich dankbar für jedes Hinterrad. Zuguterletzt war ich etwas traurig darüber, dass sich in der Zielgeraden wirklich so gar keine Reserven mehr aktivieren liessen. Dafür lockte die Aussicht auf eine Massage, gesponsort von Wobenzym. Der Beifall in der Zielgeraden treibt auch noch ein wenig mit, ist schon ein klasse Gefühl insgesamt: man kann voll konzentriert 60 Km fahren ohne auf den Verkehr achten zu müssen, ohne an Ampeln wieder neu anfahren zu müssen. Unterwegs stehen Leute und winken oder klatschen, manche Familien saßen an der Strasse mit Luftpumpe und Wasser, viele fotografierten und filmten. An der Verpflegungsstelle kam ich mir vor wie beim Boxenstopp: alles ging fix und die gefüllte Flasche wurde gleich im Flaschenhalter postiert. Da ich mich mal voll auf die Strecke konzentrieren konnte, wurde mir bewusst, wieviel ich in Sachen Kurventechnik vom Motorradfahren gelernt habe - in den gefährlichen Kurven konnte ich mir einige Sekunden Vorsprung herausfahren. Apropos gefährlich: ich selbst kam kaum in schwierige Situationen, habe unterwegs aber 3 oder 4 liegende Radler gesehen. Sah jedoch nicht wirklich schlimm aus und sie waren alle von Sanitätern versorgt.

30er Schnitt - Prost!Nach der Zieleinfahrt - Transponder abgegeben, das alkoholfreie Freibier abholen, ab zur Massage. Auch davon träum ich ein Leben lang - eine Rennradrunde abspulen und dann eine ordentliche Wadenmassage - göttlich. Die Jungs und Mädels einer Physiotherapie-Klasse, die das in der Hauptsache ehrenamtlich machten, waren wirklich klasse. Gute Stimmung im Zelt, vorsichtig, vier Hände synchron, perfekt! Dann wollte ich noch meine Medaille gravieren lassen und fiel in das einzige Organisationsloch - für die rund 12 Tsd TeilnehmerInnen gab es genau eine (!) Maschine, selten wartete jemand unter einer Stunde. Einige meinten, das würde bei anderen Veranstaltungen dieser Größenordnung durchaus schneller gehen.

was bleibtAlles in allem war es für mich ein super Sonntag - den 30er Schnitt habe ich mir größtenteils allein erarbeitet. Ich hätte nie gedacht, dass allein das zügige Durchfahren ohne Verkehrsstörungen so viel ausmacht. Mit meiner Zeit von 2h 01min 17.23 sek habe ich in der Gesamtwertung für die 60 KM Platz 451 von 932 belegt. Für meine Altersklasse Seniorinnen2 Platz 157 von 325. Der 10. Platz hatte eine Zeit von 1h 39min 39sek - kein unerreichbares Ziel, aber arbeitsintensiv. Für meine (Nicht-)Trainingssituation bin ich mehr als zufrieden mit meiner Leistung - für nächstes Jahr möchte ich sagen: da geht noch was, mindestens ein Startblock früher. Die Organisation war super - mein ausdrücklicher Dank geht an die Helfer unterwegs, Ihr wart aufmerksam und habt gute Stimmung gemacht. Oh - und auch ein Danke an die Twitterer aus meiner digitalen Peergroup - gerade, wenn man alleine teilnimmt, ist das ein guter Motivationsschub. Bis zum nächsten Jahr :-)

Feed für diesen Eintrag

  • Kathleen am Confusion 15, 3179, 10:08

    Sehr schön - macht Lust auf Wettkampf- da freu ich mich doch schon richtig auf meinen nächsten. Bin zwar selbst auf zwei Beinen unterwegs und nicht auf zwei Rädern aber Spaß macht das allemal! Und meinen Respekt für die Leistung.

  • steffi am Confusion 22, 3179, 21:53

    woah ... sehr gut! Weißte was? Das nächste mal mach´ ich mit. Als Fotografin allerdings, wenn das ok ist.

  • Regine Heidorn am Confusion 23, 3179, 18:40

    Hehehe - das geht sicher. Ich wollte Dir eh noch erzählen, dass es da diese Event-Fotografen gab, die die anderen Fotos (in der DropBox) gemacht haben. Die scheinen sich darauf spezialisiert zu haben. ich könnte mir vorstellen, dass das für den ein oder anderen Fotografen ein gutes Zubrot sein könnte?
    Mir persönlich fehlen ja eh noch Fotos "in action" von nicht beim Velothon.

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