Nachrichten über die Familie Heidorn 2

Nr. 2, Hamburg, 1935

Unsere Vorfahren

Wer sich mit den heidornschen Vorfahren beschäftigt, dem muß u. a. auffallen, daß sich darunter keine bürgerlich schlechten Elemente finden. Sie erscheinen alle als mehr oder minder rechtschaffene, fleißige Leute. Es ist das kein besonderer Ruhm; bei den anderen Familien jener Zeiten und Gegenden sieht es ebenso aus, insofern es auf kulturalen Vorausgängen beruht. Aber es erfüllt mit Pietät und Dankbarkeit gegen die Altvordern, welche mit großer Mühe dem kargenden Boden das Nötige abrangen und, obwohl sie obendrein häufig durch Kriegszüge gebrandschatzt wurden, nicht der Unredlichkeit oder dem Leichtsinn oder der Verzweiflung anheimfielen.

Es gewährt einen eigenen Reiz, jene Stätten zu schauen, wo für unser Wissen im 15., 16., 17., 18. Jahrhundert Heidorns in größerer Zahl ihr Schicksal durchkostet haben. Es ist, als redeten der Boden und die Reste von Bauten und Möbeln von ihrer Treue und ihrem Fleiß, von dem geraden Sinn und der Fürsorge für die Nachfahren. Dank und Verehrung sei ihnen.

Eine Aufgabe

Wenn im vorigen Absatze nur vom 15.-18. Jahrhundert die Rede war, so ist bis ins 14. Saeculum nicht zurückgegriffen worden, weil wir aus ihm noch nichts von Heidorns wissen, und ist das 19. Jahrhundert nicht erwähnt worden, weil, wahrscheinlich im Zusammenhange mit den napoleonischen materialen und geistigen Umwandlungen, von ca 1800 ab ein Verlassen des alten Bodens seitens vieler Heidorns erfolgte.

Bei dieser letzten Bewegung sind viele Fäden zur Vergangenheit zerrissen worden. Und wir wollen nun suchen, sie neu zu knüpfen.

Bei der Ahnenforschung

wird zweierlei meistens zu wenig beachtet, 1) daß eine weibliche Linie genau so bedeutsam ist wie die männliche, 2) daß viel wichtiger, als eine lange Ahnenreihe mit Namen und Daten und eventuell äußeren Schicksalen herzustellen, es ist, über den Character und andere seelische Eigenschaften der Vorfahren relatives Wissen zu erhalten.

Zu 1: Das körperlich-seelische Erbgut der Mutter und ihrer Voreltern bestimmt unser Werden und Sein in derselben Weise wie das des Vaters. Wenn wir daher von der Forschung über die Familie Heidorn sprechen, so geschieht das nur, um gewisse Schranken und einen roten Faden zu haben, nicht aber um zuzugeben, daß die Benennung nur nach dem Vater oder Gatten das Richtige sei (zumal die Vaterschaft immer zweifelhaft sein kann) und daß man sich mit der Aufstellung der väterlichen Ahnen begnügen dürfe.

Zu 2: Alle Geschichtsforschung hat den Hauptsinn, aus dem Wissen um das Wesen von Mensch und Natur sowie aus dem Wissen um die historischen Ereignisse heraus Gesetze und Ideen der individualen und sozialen Menschwerdung zu finden. Auf Grund dieser Funde soll dann der Mensch seine Bestimmung, nämlich bewußt an der Ordnung der Welt teilzunehmen, besser zu erfüllen trachten. Diese Erfüllung wird oft durch Nichtwissen oder Nichtverstehen von Sonderheiten in den Seelen unserer Vorfahren und von ihrem Für und Wider, gemessen an der Menschbestimmung, und von der Vererbung, so sind wir besser in der Lage, uns selbst zu verstehen und somit bestimmungsgemäßer zu leben.

Zum Namen Heidorn

Im Schleswig-Holst. Wörterbuch, herausgegeben von Otto Mensing (1928), heißt es:

Hagdorn, Hagedorn, meist Hadorn, Hadurn ist 1. der Weißdorn, dessen Früchte Mehlbeern genannt werden, 2. die Hundsrose, deren Früchte Hahnpoten heißen, 3. ein Flurname in Damsdorf, Lanken, Quickborn, Wedel, Schierensee, Barlohe, Sülfeld.

  • Hajen in Flurnamen, wohl in der Bedeutung "erhöhter Landrücken".
  • Hädorn ist gemeiner Weißdorn.
  • Häkdorn ist gemeiner Weßdorn.
  • Heg = Gehege, Hecke. - Hegendorn wohl gleich Hagdorn.
  • Heid, Heide, oft (besonders in Zusammensetzungen und Flurnamen) mit Schwund des auslautenden d: Hei, vereinzelt mit auslautendem Gutturallaut: Heig, recht oft mit verstärktem Auslaut, wodurch ei etwas verkürzt wird: Heit, in Lauenburg Heed, Hee für Heide. - 1. sandige, unbebaute, meist mit Heidekraut bewachsene Landfläche .... Früher nannte man auch wie noch jetzt in Brandenburg "waldiges Land zur Wildbahn und zum Holzfällen" Heid. 2. vereinzelt das Heidekraut. (Heidbloom, Heidkruut).
  • Heiddorn, Heidorn = englischer Ginster. Auch als Flurname in der Gegend von Pinneberg-Altona.
  • Heidorn, 1) = Hagedorn, 2) = Hauhedel.

Aus älterer Zeit

Vornamen:

Im 17. Jahrhundert finden sich als männliche Vornamen vorwiegend:

  • die semitischen: David, Daniel, Simon, Jakob, Michel, Johann (Hans, Jochen)
  • die griechischen: Claus, Peter, Christof, Jürgen
  • die deutschen: Cord, Carsten, Hermann, Hinrich, Tönnies

als weibliche

  • die semitischen: Anna, Elisabeth (Ilsabe), Maria
  • die griechischen: Cathrine, Margarete
  • die deutschen: Gesa, Hedwig, Metta

Konservatismus:

Wie mit den Vornamen, so waren die Alten auch mit ihrem Wohnorte, ihrem Heiraten und in ihren Einrichtungen, Gebräuchen und Ansichten sehr konservativ. Sie sind zunächst immer im Rellinger Kirchspiel geblieben, wozu vielleicht auch eine amtliche Beschränkung der Freizügigkeit beigetragen haben mag. Sie haben ferner immer wieder in dieselben Familien hineingeheiratet. Es sind das vor allem: Behnke, Bornhold, Classen, Eggers, Eggerstedt, Ehlers, Füerschütt, Kröger, Krohn, Kuhlmann, Lüders, Maak, Mölln, Ostermann, Peers, v. Pein, Pethan, Ramke, Rechter, Sellmann, Timm, Warnke, Wördemann.

Und daß sie dauernd an einer größeren Kinderzahl interessiert waren, wird nicht nur durch die Kirchenbücher aufgezeigt, sondern auch durch die eine Zeitlang grassierende Sitte illustriert, gleichsam auf Probe zu heiraten, das heißt, es erfolgte die erste Geburt schon gleich nach der Hochzeit.

Wie sie ferner Neuerungen im Ackerbau und in der Lebenshaltung feindlich gegenüberstanden, so mögen sie auch der Einführung der Reformation widerstrebt haben und nur durch besondere Umstände, die festzustellen wichtig wäre, gleichsam unbewußt in das Neue hineingeglitten sein.

Heidorns in Holstein

Geschichtlich steht fest, daß im 12. Jahrhundert der Lübecker Bischof Vicelin, der auch Neumünster gründete, in seine Elbmarschen-Besitzungen, also unweit Ütersen und Pinneberg, holländische Kolonisten gezogen hat und zu gleicher Zeit der Schaumburger Graf holländische, friesische, westfälische Kolonisten in das verwüstete Wagrien. Aber von der Ansiedlung lippisch-hannoverscher Bauern spezial in Esingen (zwischen Pinneberg und Elmshorn) meldet die Chronik nichts. Die bisher älteste Nachricht von der dortigen Existenz von Heidorns (Hagedorns) ist die schon erwähnte Steuerliste vom Februar 1465. Die Aufgabe ist jezt, zu ermitteln, 1) ob noch ältere holsteinische Dokumente über Heidorns vorliegen, 2) ob im Hannoverschen Älteres über Heidorns feststellbar ist, 3) ob sich aus schaumburgischen Archiven ein Transport von Kolonisten, worunter sich Heidorns befunden hätten, aus dem Bückeburgischen nach der Herrschaft Pinneberg nachweisen läßt.

Um 1660 besaßen neben einander Bauernstellen:

  • Jochen Heidorn in Borstel 1/3 16/12 71
  • Hinrich Heidorn in Borstel 1/4 17/19 40
  • Jochen Heidorn in Borstel --- ---- 63
  • Jochen Heidorn in Borstel 1/10 8/24 157
  • Hinrich Heidorn in Esingen 1/1 5/3 102
  • Hans Heidorn in Esingen 1/1 8/9 95
  • Johann Heidorn in Esingen (Tornesch) 51
  • ? Heidorn in Rellingen 1/3 48/6 34
  • Johann Heidorn in Rellingen --- --- 52
  • Christofer Hagedorn in Appen (Schäferhof) 91

um 1690

  • Hinrich Heidorn in Borstel-Hohenr. 1/5 3/22 120
  • Peter Heidorn in Borstel-Hohenr. --- --- 162
  • Johann Heidorn in Borstel-Hohenr. 1/2 22/9 211
  • Jochen Heidorn in Borstel-Hoehnr. 1/3 16/12 232
  • Harm Heidorn in Borstel-Hohenr. 1/2 11/3 294
  • Jochen Heidorn in Borstel-Hohenr. 1/2 7/7 366
  • Johann Heidorn in Borstel-Hohenr. 1/2 22/9 367
  • Jochen Heidorn in Esingen-Tornesch 142
  • Peter Heidorn in Esingen-Tornesch 2/3 / 372
  • Jochen Heidorn in Esingen-Tornesch 1/1 3/ 209
  • Peter Heidorn in Esingen-Tornesch 1/1 3/ 289
  • Johann Heidorn in Esingen 1/1 4/ 210
  • Hinrich Heidorn in Esingen 1/1 9/ 196
  • Hans Heidorn in Esingen 1/1 9/ 289
  • Jürgen Heidorn in Esingen 1/3 18/24 132
  • Johann Heidorn in Esingen 1/3 24/ 248
  • Peter Heidorn in Prisdorf 1/2 1/ 224
  • Jürgen Heidorn in Prisdorf 1/3 14/ 417

Eine andere Urkunde

(Fortsetzung)

Es tut aber Arend Heidorn die Kost aus: das Land, so abbeschieden, soll Jochen Heidorn gleich dem seinigen bemisten, bepflügen und besamen; es tut aber A. Heidorn die Saat aus und den Mist, den er mit seinem Vieh machet, er ihm das Heu und Korn dann auch mähen und frei zu Haus, gleich seinem, schaffen soll.

So soll auch Arend Heidorn ein Stück im Kohlhofe außer der Westseite.

Weilen der Alten einer im Leben ist, bleibt die ganze und vollkommen Leibzuigt. Wenn sie aber beiderseits tot seien, fallet alles, was abbeschieden, wieder frei an den Hof. Wenn die Alten beide mit Tod abgegangen, was dann an Korn zuvor bestellet, das soll nicht an J. Heidorn allein, sondern an alle seine Brüder und Schwestern zugleich fallen. Und gehören noch allen Brüdern und Schwestern aus Maßen, wie nach folgt: zu den nachgelassenen beweglichen Gütern, das soll Hans Heidorn, der jüngste Bruder von Jochen, seinen Brüdern voraushaben, 4 Tonnen Bieres, 4 Himpten Roggen, 2 Stücke Landes von 4 Himbt Saat, eines über dem Berge belegen und das andere das Heidestück geheißen, weil er unbefreiet ist.

(Schluß folgt)

Information

Unser erstes Blatt

ist zwar auch auf Gleichgültigkeit und gar Ablehnung gestoßen, hat aber bei manchen doch ein gutes Echo gefunden. Durch die mir daraufhin zugesandten Mitteilungen wird die Existenz der beiden großen Heidorn-Kreise, des hannoverschen und des holsteinischen, voll bestätigt, aber es restiert noch 1) der Nachweis aller Zusammenhänge innerhalb jedes Kreises, 2) der Nachweis der vermuteten Absplitterung der holsteinischen Gruppe von dem Mutterteile. Für die weitere Arbeit haben wir eine Arbeitsteilung vereinbart: Konrektor Heidorn in Harburg-Wilhelmsburg, Scharnhorststr. 41, übernimmt das hannoversche Gebiet bis ins Westfälische hinein, während ich die Pinneberger Beziehungen zu ordnen versuche. Wir bitten sehr herzlich, daß jeder Interessierte uns alles, was er mitteilen kann, seinen und seiner Frau Stammbaum, möglichst viele Onkels, Tanten, Vettern und Cousinen und auch alle kleinen Kinder, mit Stand und Adresse, falls sie noch leben, zusendet. Nichts ist uns zu geringfügig.

Aber es muß auch betont werden, daß die dritte Nummer schon nicht mehr erscheinen kann, wenn meiner Bitte um Geldzuwendungen nicht besser entsprochen wird. Nach der Abrechnung des mir Zugesandten habe ich bis jetzt (Druck, Porto, Umschläge) noch etwa 40 M ausgelegt und muß dabei in täglicher Fron mein kärglich Brot verdienen. Wer da rechnet, daß die erwähnten 4000 Heidorns und Heidorn-Verwandten mir die schöne Jahreseinnahme von 4000x2 M verschaffen sollten, übersieht, daß es sich bei den 4000, die jetzt schon auf 5000 angewachsen sein mögen, zum allergrößten Teile um Leute des 19., 18., 17. Jahrhunderts und um Kinder handelt.

Familien-Anzeigen

Am 10. 3. 1935 verstarb in Kiel Frau Hedwig Heydorn, gb. Schmidt, 84jährig.

Am 27. 1. 1935 wurde geboren Günter Heidorn als Sohn von Johannes Heidorn und Trude Trommsdorff in Hamburg.

Fehler in Nr. 1

Seite 1 Zeile 9 muß es "seinem" statt "ihrem" heißen.

Seite 4 muß unter Hauptmann M. Heydorn korrigiert werden, daß der Vater nicht Direktor der Landwirtschafts-Kammer, sondern Direktor der landwirtschaftlichen Genossenschafts-Bank war.

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Feed für diesen Eintrag

  • Terpoorten geb. Heidorn, Uta am Chaos 19, 3181, 18:53

    Günther Heidorn geb am 27.01.1935
    Ist mein Vater, der letzte noch lebende männliche Nachfahre ist zur Zeit
    Kai Lars Heidorn geb am 22.04.1980

  • Regine Heidorn am Chaos 24, 3181, 05:11

    Das gefällt mir sehr, wenn "das Internet" die Arbeit von Wilhelm Heydorn weiterführen kann :-)

  • Jan Heydorn am Confusion 8, 3181, 14:55

    Hallo Frau Heidorn,

    wir sind durch Zufall auf Ihre Website gestoßen. Ich habe lückenlose Dokumentation über meinen Familienteil zurück bis zum Kirchenbrand von Rellingen im Jahr 1701. Bei dem 'Jüngsten', welcher in Ihrer Dokumentation aufgeführt ist (Jan Wilken Heydorn, 1934) handelt es sich um meinen Vater. Heutzutage ist der 'Jüngste' unser zweiter Sohn Johannes, geb. 2005.

    Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören.

    Jan Heydorn, Jg. 1965

  • Regine Heidorn am Confusion 15, 3181, 12:36

    Ui, das wird ja immer besser, es freut mich sehr, wie sich dieses nachrichten über die familie heidorn in neuerer zeit entwickeln.

  • Uwe Heydorn am Bureaucracy 29, 3181, 16:03

    Einen Jan Heydorn kann ich auch bieten, unseren jüngeren Sohn, Bj. 1981.

    Ich bin Nachfahre von Wilhelm Heydorn, dem Autor der "Nachrichten über die Familie Heidorn". Wir können unseren Ursprung wie folgt ableiten:

    Johann Heydorn 1726-1801
    Bauer in Esingen (zu Tornesch Kreis Pinneberg)

    Peter Heydorn 1771-1835
    Rademacher in Esingen

    Hinrich Detlef Heydorn 1796-1868
    Notariatsgehilfe in Pinneberg,
    danach Kirchspielvogt in Horst/Holstein

    Wilhelm Peter Carl Heydorn 1839-1910
    Vermessungsingenieur im Eisenbahnbau
    später Geheimer Baurat in Plön mit Zuständigkeit
    für Eisenbahn- und Kanalbau und insbesondere Küstensicherung

    Heinrich Wilhelm Heydorn Karl Eduard Heydorn 1873-1958
    Pastor, Verfasser der "Nachrichten..."
    nach Amtsenthebung Heilpraktiker und Lehrer

    Uwe Jens Theseus Heydorn 1912-1972
    Dr.jur., Rechtsanwalt

    Uwe Jens Wilhelm Heydorn 1948-
    (das bin ich)

    div. Nachkommen

    Dankeschön, liebe Regine, für die Mühe, die Du Dir gemacht hast, und "kiek 'mol wedder in"
    Gruß
    Uwe

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