Nachrichten über die Familie Heidorn 1

(Heydorn, Haidorn, Haydorn, Haudorn, Heudorn, Hagedorn, vielleicht auch Heiden u. a.)

4 gefaltete DIN A4-Blätter, die 1935 - 36 von Wilhelm Heydorn in Altona-Blankenese herausgegeben wurden. Soweit kein anderer Autor vermerkt ist, handelt es sich um Artikel von Wilhelm Heydorn, auch Fußnoten mit dem Vermerk "d. Herausg." stammen von ihm.

Verantwortlich: Wilhelm Heydorn, Altona-Blankenese, Weddigenstr. 1

Druck: Rudolf Bendt, Altona-Blankenese, Weddigenstr. 17

Nr. 1, Hamburg, 1935

Eine Geschichte

der Heidorns kann noch nicht geschrieben werden. Dazu ist bisher zu wenig erforscht worden. Was der Hauptmann a. D. Martin Heydorn und der Schulrat Ehlers, letzterer in "Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg", verdienstvoll dazu beigetragen haben, ist nicht über Anfänge hinausgekommen.

Darum soll dieses Blättchen Bausteine für die Geschichte der Heidorns sammeln. Jeder Empfänger wird hiermit dringend gebeten, das Seine beizutragen und dem Herausgeber immer wieder Mitteilungen aus ihrem Wissensschatze, mögen sie auch noch so geringfügig erscheinen, zuzusenden. Aus all dem Kleinen wird schließlich ein Großes. Auch Mitteilungen über Familienvorgänge der letzten Zeit und Adressen von lebenden Heidorns und Heidorn-Verwandten dürfen nicht fehlen.

Eine zweite Aufgabe dieses Blättchens ist, ein Zusammenhangsgefühl zwischen allen Heidorns zu schaffen; nicht so, daß dadurch eine Absonderung von der Volksgemeinschaft und den anderen Verwandten und Freunden einträte, aber doch so, daß das Bewußtsein einer besonderen Blutsgemeinschaft lebendig wird, die sich im Interesse für einander (unentgeltliche Familienanzeigen in diesem Blatte), in etwaigen Zusammenkünften und in gegenseitigem Helfen (aber bitte kein Ausbeutungsgeist) äußert.

Der Name Heidorn

von Hauptm. Martin Heydorn

"Heidorn ist ursprünglich eine alte niedersächsiche Flurbezeichnung, hervorgegangen aus dem altsächsischen heithoren - Dorneinhägung. englisch haylkorn, hochdeutsch Hagedorn (Anmerkung: Der Inhalt dieses Satzes ist z. T. fraglich. (d. Herausg.) ). Der Landrat A. P. von Liliencron bedient sich dieses Flurnamens verschiedentlich in einer Urkunde von 1680, auf Grund deren die Hölzungen in der Herrschaft Pinneberg aufgeteilt werden und zwar in der Schreibweise ay und ey (Zeitschrift Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte Band 37, S. 16 und 17). Auf der Reymannschen topographischen Karte des südlichen Hannover heißt von einem Gehölze in der Nähe des Dorfes Nöphe der nördliche Teil "Diekholt", der südliche Teil "Heidorn". Der Name scheint daher wesentlich für Waldparzellen gebraucht worden zu sein, die wohl eine Dorneneinhägung gehabt haben. Auf dieser Flurbezeichnung fußen der Familienname Heydorn wie auch die Dorfnamen Großenheidorn und Klein-Heidorn am Steinhuder Meer. Diese Dörfer (indagines duorum heilthoren 1347) waren Hagendörfer. Besiedelt vom Osten (elbaufwärts gewanderte Holländer? ) her durch die Grafen von Wunstorf, bildeten ihre Einwohner eine Art Bauernaristokratie, indem sie besondere Rechte hatten und sich ihre Freiheiten bis in die Neuzeit bewahrten. - In den Urkunden des Kieler Staatsarchivs wird der Name 1603 noch mit ei, später mit ey geschrieben, doch findet man auch dann noch ei, ay, auch wohl dohn, stellenweise sogar bei derselben Person. Ob einige Familien des Namens sich von den Dörfern in Schaumburg-Lippe bei Hannover herleiten lassen, ist urkundlich nicht nachzuweisen, bei den am Steinhuder Meer wohnenden Heidorns aber nicht ausgeschlossen. In Schleswig-Holstein ist der Familienname nur im Pinnebergischen bodenständig und von dort weiterverbreitet. War ursprünglich dort ein Heidorn und zwar auf Tornesch?"

Was die Orthographie des Namens anlangt, so beruht die verschiedenartige Schreibung darauf, daß früher die Steuerbeamten und kirchenbuchführenden Personen willkürlich den Namen so schrieben, wie sie ihn verstanden. Bei Einführung der Standesämter (ca 1870) gaben unsere Vorfahren dann die Buchstaben an, die sie immer gesehen hatten. So ist die Verschiedenartigkeit leider rechtens geworden. Es handelt sich aber, ob ei oder ey oder age usw., wahrscheinlich immer um dasselbe Geschlecht.

Die Herkunft der Heidorns

Frühe Verbreitung der Heidorns

Die Heidorns leben jetzt in ihrer Mehrzahl in Südholstein und Hamburg. Eine andere Gruppe gibt es bei Hannover am Steinhuder Meer in den Dörfern Gr.- und Kl.-Heidorn sowie Mardorf (Handschriftliche Notiz: u. Loccum).

Die Fama gibt an, daß die Grafen von Schaumburg, die von ihren Hauptbesitzungen um Bückeburg aus auch die Gegend um Pinneberg regierten, Kolonisten von der Weser nach dem Norden gezogen und daß sich darunter Heidorns oder wenigstens 1 Heidorn befunden hätte.

Sicheres ist darüber bis jetzt nicht aussagbar. Fest steht nur (nach dem Kieler Staatsarchiv und den Rellinger Kirchenbüchern), daß im 15. Jahrhundert ein Hagedorn in einer Esinger Steuerliste steht und daß im 16. Jahrhundert einige Familien Heidorn in den Dörfern Esingen, Borstel, Kummerfeld (bei Tornesch) Bauern waren und sich von dort aus recht verbreitet haben. Diese Verbreitung läßt sich zum guten Teile nachweisen, so daß bis um 1600 die Stammbäume zunächst zurückverfolgt werden können.

Aus älteren Zeiten

Die Bauernstellen bei Pinneberg tragen im Rellinger Kirchenbuche eine Bezeichnung wie 1/1 7/14 oder 1/3 2/2 usw. Von diesen Zahlen bedeutet der erste Bruch die Größe der Stelle. 1/1 ist ein Hof von ca 60 Tonnen (15 Hektar), in einem einzelnen Falle auch 100 t. Der Besitzer davon ist ein Vollhufner oder Baumann. 1/2, 1/3, 1/4, 1/7, ja sogar 1/20 sind die entsprechend kleineren Stellen. Wer nur 1/16 oder 1/20 hatte oder ein sog. Zubauer oder Brieksitzer war (1-2 t), konnte sich natürlich nicht von dem Lande ernähren, sondern betrieb ein Handwerk daneben. Ein Handwerker galt ebensoviel wie ein Bauer, beide Stände heirateten untereinander.

Die überzähligen Söhne wohnten irgendwo als Mieter (sog. Häuerlinge), arbeiteten als Knechte (aber mit demselben Ansehen wie die Hofbesitzer) und erheirateten sich nach Möglichkeit eine Stelle. Das Einheiraten stand sehr in Blüte und wurde daurch ermöglicht, daß, wenn kein majorenner Sohn dawar, die Witwe oder die Tochter zunächst den Hof erbte. Da es aber als unschicklich galt, daß eine Frau dem Gewese vorstand, so pflegte die Witwe bald wieder zu heiraten und ebenso der Witwer, da das Ganze nicht ohne Hausfrau sein durfte. Es kam nicht selten vor, daß jemand drei- oder viermal heiratete. Der Geburtenüberschuß war ziemlich sicher.

Im zweiten Bruche der Stellenbezeichnung bietet die obere Zahl die Nummer der Hebeliste und die untere die Hausnummer.

Ältestes über die Heidorns

  • Am 2. Februar 1465 notiert der Amtmann in Pinneberg die Personen, welche den Zehnten für "das neue Feld" bezahlt haben, darunter, wie schon erwähnt, einen Hagedorn.
  • Auf Steuerlisten von 1567 und 1591 steht je ein Arend Heidorn in Esingen.
  • Urkunde im Staatsarchiv: "Anno 1597 15. April befreit sich (befreit sich = freit, heiratet) Martin Krüger zu Esingen mit Arend Heidorns Tochter und bekommt als Brautschatz 350 (hier kommt ein Zeichen, das ich nicht kenne und auch nicht in der Tastatur finden kann, ich vermute, es heißt Pfund ?, Regine Heidorn) lübsch, eine Kuh, so gut als er mit seinen Kühen hat, ein Rind, ein Pferd, dazu Kisten und Bett, wie es landsittlich Gebrauch ist. Die Geldfrage ......, daß der ganze Brautschatz unter Jahr und Tag wie landbräuchig muß gegeben werden. Unterschriften: Hans Krüger, Vater; Peter Ruhr; Hans Witte; Tieß Ramb. Peine (Der Hof Peine gehört zu Prisdorf.); Arend Heidorn, Brautvater. Mit Todesfällen soll nach Landesbrauch gehalten werden."
  • Eine andere Urkunde: "Anno 1603 den 29. Juni hat Arend Heidorn seinem Sohn Jochim Heidorn sein Haus und Hof zu Esingen, beim Törnesch belegen, niet und nagelfest, wie es allda bezimmert und befriedigt stehet, samt allen und jeden anderen Pertinentien und Zubehörungen als nämlich mit ausgesäter Saat, lebender Habe, Wagen und Pflügen und was demselben mehr mag angehörig sein, erbliches und eigentümliches Kaufs nach zu nutzen, zu genießen und zu gebrauchen. Es hat aber Arend Heidorn zu ihm und seiner Hausfrauen Leib ... abgeschieden 6 Stücke Landes außen der großen Kammer, 4 Stücke außen ......, eine Wiese im Allerkenbruge und noch dazu eine im Ordbruge gelegen, 5 Kühe, 1 Pferd frei vom Hof zu nehmen, auch 2 Pferde für sich und seine Hausfrau damit zur Kirche oder sonsten zu wandern, die Hälfte der Schweine, welche vorhanden seien, vorauszunehmen. Und dann alle Jahr 2 Schweine, es sei Mast oder nicht, zu nehmen. Seiner Frauen Kisten und Fuß ...., den kleinen Karren, eine Alb und 4 neue ......, ein Braufaß, einen kleinen Braukessel und noch einen anderen kleinen Kessel, 2 Bra...., 5 Tagwerk Torfes, so Jochim Heidorn graben und tragen, auch zu Haus fahren lassen soll." F.f.

Hauptmann Martin Heydorn

Der vorhin erwähnte Anfänger der Forschungen über die Familie Heidorn, Martin Heydorn, wurde am 20. 10. 1869 geboren und starb 16. 5. 1930 in München, wo er seit seiner Pensionierung lebte. Sein Vater war der Hof- und Brauereibesitzer Claus Hinrich Heydorn in Pinneberg, welcher den Krieg 1870/71 als Reserve-Offizier mitmachte und zuletzt lange Jahre Direktor an der Landwirtschafts-Kammer in Kiel war, wo seine Witwe, eine Tochter des Propsten Schmidt aus Witzwort, 84jährig noch lebt.

Martin besuchte das Gymnasium in Altona und wurde aktiver Offizier im Infanterie-Regiment Herzog von Holstein Nr. 85 in Rendsburg (Neumünster, Kiel).

Seine Interessen waren zeitlebens mehr auf das Künstlerische gerichtet. Er blieb unverheiratet. Ein Bruder von ihm lebt noch als Rechtsanwalt in Altona; eine Schwester ist verheiratet mit Pastor Ruhberg aus Pinneberg, eine ander mit Dr. med. Müller in Kiel-Hassee.

Information

Die Älteren der jetzigen Generation

  • Hedwig Heydorn gb. Schmidt in Kiel, gb. 18. 4. 1851 in Witzwort
  • Amtmann Karl Heinrich Heydorn in Blankenese, gb. 27. 10. 1859 in Pinneberg. F.f.

Unsere Jüngsten

  • Jan Wilken Heydorn, geb. 9. 4. 1934 Blankenese, Vater: Bankvorsteh. Georg Hans H. F.f.

Anzeigen

  • Gestorben ist am 4. 12. 1934 der ehemal. Vollhufner Joh. Hinr. Heidorn in Prisdorf, gb. 10. 4. 1876.

Anmerkung

Der Herausgeber hat bis jetzt die Namen und Daten von gut 4000 Heidorns und Heidorn-Verwandten gewonnen und gewinnt täglich mehr hinzu. Durch ein dreifaches Register ist er leidlich in der Lage, die Abfolgen und Verwandtschaften festzustellen und Stammbäume herzustellen. Er will dies gerne für alle Zugehörigen unentgeltlich tun und bittet nur, ihn durch dauernde Zuwendungen neuer Nachrichten zu unterstützen und ihm für Porto-, Reise-, Bescheinigungs- und Papier-Kosten, die er gehabt hat, eine kleine Vergütung zu geben (Mittellose haben dies nicht nötig). Man erbitte ungeniert Auskünfte und Stammbäume; es wird nie als Belästigung, sondern als Interesse beurteilt. - Ferner bittet der Herausgeber, ihm zu den Druck- und Porto-Kosten dieses Blättchens, das etwa zweimonatlich erscheinen soll, vierteljährlich 0,50 RM zu überweisen unter Wilhelm Heydorn, Konto 860 der Sparkasse der Stadt Altona, Abt. Blankenese. Jede Sparkasse und Bank nimmt die Überweisung kostenlos an.

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