Menschen sind von der Erde

Nachdem wir uns nun 20 Jahre damit beschäftigt haben, dass Frauen und Männer von unterschiedlichen Planeten kommen, könnten wir vielleicht auch einfach mal sehen, das wir nun also gemeinsam auf der Erde gelandet sind.

Angeblich sind wir durch unsere Gene zu 95% oder 98% oder so mit den Affen identisch, es besteht also guter Grund zu der Annahme, dass Männer und Frauen genetisch noch näher beieinander sind. Aber Gene isoliert von Sozialisation betrachtet, helfen leider nicht wirklich weiter ... also könnten wir uns vielleicht darauf einigen, dass es so etwas wie Häufungen von Verhalten gibt, die sich geschlechtstypisch zuordnen lassen. Allerdings 1. mit so geringen Verschiebungen, dass sich kaum aufgrund des Geschlechts das Verhalten eines Individuums vorhersagen lässt. Weil es trotz Häufungen immer Solche und Solche diesseits und jenseits der Fronten gibt.

Und 2. einem Menschen kein anderes menschliches Verhalten wirklich fremd ist. Wer meint, ihm könnten betimmte Dinge nicht passieren, hat möglicherweise bestimmte Erfahrungen noch nicht gemacht und mitunter vielleicht einfach nur ein zu dickes Fell, um Empathie entwickeln zu können. Was uns jenseits der Kampflinie Geschlecht übrigens wahnsinnig attraktiv machen kann, ist unsere Fähigkeit, einander verstehen zu können.

Was mir an diesem FrauenVenusMännerMars-Ding so unbehaglich aufstösst, ist das Zementieren von Vorurteilen. Am Beispiel Nähebedürfnis: Ja, es mag sein, dass Frauen mehr auf der Beziehungsebene unterwegs sind und Männer mehr Freiraum brauchen. Trotzdem gibt es Männer, die mitunter mehr auf der Beziehungsebene unterwegs sind, als manche Frauen. Und Frauen, die mehr Freiraum brauchen als manche Männer. Wenn wir dann noch dazunehmen, dass es im Leben jedes Menschen unterschiedliche Phasen gibt und die Nähe-Distanz-Bedürfnisse mitunter minütlich wechseln können, dann wird vollends klar, was für ein Unsinn diese Geschlechtertrennung ist.

Was nutzt es uns denn, wenn Männer Angst davor haben, ihr Bedürfnis nach Nähe zu zeigen, bloß weil sie fürchten, dann nicht mehr als Mann zu gelten? Oder Frauen sich nicht trauen, ihr eigenes Ding zu machen, bloß weil die Gefahr besteht, nicht mehr geliebt zu werden? Ich finde das so verworren, es ist zum Weglaufen. Auf dieser Erde sind offensichtlich so viele Marsianer und Venusianerinnen (oder wie nennt man die jetzt?) unterwegs, dass es immer schwieriger wird, einfach mal Menschen zu finden. Und Angst ist ja bekanntermaßen kein guter Ratgeber ... ernsthaft, ein Verhalten, das auf Vermeidung ausgerichtet ist, um Erwartungen zu erfüllen ... das provoziert doch geradezu Missverständnisse. Muss das so?

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