Fairphone

Fairphone vs HTC DesireHD 10.1.2014, 13.37 - pünktlich zur Leet-Time Lieferung meines Fairphone.

Im Vergleich zu meinem bisherigen HTC Desire HD fühlt es sich so direkt nach dem Unboxing erstmal sehr vertraut an - es ist etwas leichter (laut Specs 170g, nachgewogen 162g ohne Karten (SIM bzw MicroSD) gegenüber dem Desire HD, das mit 164g angegeben wird, aber mit Karten 166g wiegt), dafür schmaler und etwas länger. Hinsichtlich dieser Daten reiht sich das Fairphone also locker in die gängigen Modelle ein und das Argument, das Look & Feel wäre eingeschränkt zugunsten der Reparierbarkeit halte ich damit für hinfällig. Insbesondere bezüglich der Tiefe: das Fairphone ist 0.7mm "dicker" als das iPhone, 1.8mm schlanker als das Desire HD und damit laut heise "ziemlich dick". Das Desire HD war für mich mit seinen Gehäuse-Dimensionen grad so an der Grenze: es passte noch in alle Taschen und liess sich grad so einhändig bedienen. Das Fairphone kommt etwas schlanker und schmaler daher und ist damit für meine Hände genau richtig (ich frage mich, was ich für Pranken haben muss gegenüber den vermutlich zierlichen Händchen der heise-Autoren).

Schön auch die Lieferung ohne Ladegerät und Kopfhörer. Das Ladegerät vom Desire funktionierte problemlos, genauso die HTC InEars, sogar die Steuerung/Headset lief quasi Plug & Play. Von der gesamten Handhabung her kaum Umgewöhnung, lediglich der Anschluss des Ladekabels und des Kopfhörers oben und nicht mehr unten am Gerät sowie der Powerknopf rechts oben statt links oben wird ein wenig Gewöhnungszeit brauchen. Dafür habe ich wieder eine funktionierende Lautstärkewippe, yeah! Hinsichtlich Updates und Lautsärkeregler schliesse ich mich vorbehaltlos dem Don Dahlmann an. Ich erwarb mein Desire HD Ende 2010, Android-Updates OTA waren der heisse Scheiß und tatsächlich - kurz nach Erwerb kam eines. Auf Android 2.3.5. Auf dem das Desire HD immer noch läuft. Ein Klick auf "Software-Update" will mir ernsthaft erzählen, das sei der neueste Stand. Nun also auf zu Android 4.2.2.

Den Rest des gestrigen Tages verbrachte ich mit der Einrichtung des neuen Gadgets. Regine - Fairphone, Fairphone - Regine, angenehm, freut mich, shakehands. Ihr kennt das: Apps installieren, Daten synchronisieren hin- und herschieben - mein kleiner Im- und Exportladen. Dabei wollte ich mal probieren, wie weit das ginge ohne SIM, ohne microSD und ohne Google-Account. Auch, weil ich ein Gefühl dafür bekommen wollte, wie sich der Telefonspeicher so verhält und was das Fairphone OS wo hin schiebt. Sehr angenehm fiel mir der Dateimanager auf. Ich bin vielleicht echt oldschool, aber ich habe gerne Kontrolle über meine Daten Verzeichnisse und Speicher. Schon allein, um zu wissen, welche Daten sich durch einen einfachen Tausch der microSD synchronisieren lassen. Und dann ist so ein neues Gadget ja auch immer eine gute Gelegenheit, Apps loszuwerden, die eh nicht benötigt wurden.

Der Kalender: eine kurze Recherche zeigt, dass ich gegenüber anderen Kalender-Apps mit dem Android Kalender gut bedient bin. Leichteste Synchronisation geht eigentlich über die Google-Kalender. Die habe ich aber nie genutzt und will das auch in Zukunft nicht tun. Einziger Weg ist der Ex-/Import über .ics. Macht der Kalender aber nicht einfach so. Also erste App-Installation sowohl auf dem Desire als auch dem Fairphone. Und schon die erste Hürde ohne Playstore-Account. Aber es lässt sich ein .apk-Download im Netz finden und da die App kostelos ist geht das in Ordnung. Schliesslich fiel meine Entscheidung für Android, weil ich wenigstens die Chance haben will, aus dem Walled Garden unter Aufsicht eines wohlwollenden Diktators ausbrechen zu können. Daher ja auch die Entscheidung für das Fairphone (für die Polemiker: jaja, ich weiss, es gibt keine 100%ige Freiheit von Walled Gardens und Diktatoren. Und auch wenn sie wohlwollend sein wollen oder zumindest schonmal nicht böse - mir ist es trotzdem wichtig, mich nicht total auszuliefern und das müsste ich bei Apple mehr als bei Google. Und ja, auch mit dem Fairphone bin ich natürlich gewissen Vorentscheidungen unterworfen.). Der Ex-/Import läuft reibungslos, Kalender abgehakt.

Mit den Kontakten ist es einfacher: .vcf-Export, Import, alles da. Einziger Nachteil: das Feld für Geburtstage scheint sich in Wohlgefallen aufgelöst zu haben. Das ist insofern nicht weiter schlimm, als sie in Android 2.3.5 eh immer einen Tag später angegeben und leider auch nicht im Kalender angezeigt wurden. Dass das immer noch nicht geht, finde ich recht armselig, es scheint mir kein zu großer Programmieraufwand und eine doch recht nützliche Funktion. Aber naja, dafür muss ich mir noch was überlegen.

Bei dem ganzen Dateien-Hin-und-Hergeschiebe denke ich, dass DropBox ganz nützlich wäre. Auch dafür findet sich ein .apk jenseits des Playstore oder anderer Anmelde-Plattformen. Anmelden kann ich mich allerdings nicht, weil DropBox plötzlich auffällt, dass mein Passwort zu lange nicht geändert wurde. Also gleich mal KeePass installieren. Achso, nee, Moment, das .apk dafür wollte ich ja über DropBox auf's Fairphone schieben, also eins nach dem Anderen.

c:geo is next. Mich interessiert vor allem, wie der Ex-/Import funktioniert - über eine .sql-Datenbank-Datei. Es gibt einerseits Einstellungen für .gpx-Ex-/Importe und andererseits für eine Sicherung, die die Datenbank von c:geo ohne Einstellungen und Login-Daten speichert. Also .apk gezogen, .sql über DropBox rübergeschoben, Sicherungspfad angepasst - alles schick, kann ich jetzt geocachen mit dem Fairphone.

Eine schöne Kombi finde ich ja Pebble und Fairphone. Die .apks für Pebble und den Notifier habe ich zwar installiert und eingestellt, aber noch keine Zeit für ein Bluetooth-Pairing gefunden. Alles zu seiner Zeit.

Da Ubersocial für Twitter kostenpflichtig ist, möchte ich eine Alternative, um den Playstore zu umgehen. Meine Twitter-Timeline empfiehlt Tweetcaster. In der Freemium-Variante befinde ich es für brauchbar und handle mir also statt des Playstore-Accounts Werbetracking ein.

Als richtig harte Nuss stellt sich Strava heraus: ich fahre sehr gerne damit meine Rennradrunden. Die .apk installiert zwar, beschwert sich aber, sie bräuchte die Playstore-Services. Ich frage beim Support nach, welche Playstore-Services denn wofür benötigt würden. Die App nutze ich schließlich Freemium, ich sehe einfach nicht, wofür der Playstore hier eine Rolle spielt. Die Antwort kommt fix, geht aber inhaltlich leider nicht über eine Bestätigung hinaus.

Für Foursquare wollte das Fairphone die geladene .apk nicht parsen. Mal sehen, was sich da machen lässt.

Den Rest der Nacht verbringe ich damit, das Fairphone weiter einzurichten. Das geht im großen Ganzen wie von Android gewohnt. Positiv fällt mir dabei die Abwesenheit von vorinstallierten Apps wie Aktienkurse, Facebook und so ein Schrott auf, der sich ja auch nie deinstallieren liess. So habe ich im ersten Eindruck das Gefühl, wirklich Kontrolle über mein Gadget zu haben. Bis auf Weiteres, was sich wohl erst nach längerer Nutzung zeigen wird. Was auch für die Akku-Laufzeit gilt. Bislang fiel mir der Akku eher positiv auf, was sicher damit zu tun hat, dass ich das Fairphone bis jetzt nur über WLAN und eben ohne Google-Sync verwendet habe. Auch diesbezüglich bin ich froh, dass hier keine Apps im Hintergrund am Werke sind, die ich eh nie nutzen werde und die mir nur den Strom klauen und die Zeit dafür, sie so zu konfigurieren, dass sie hinter meinem Rücken still sind.

Ein Wort zum Schnellzugriff-Menü: das blendet sich links oder rechts ein, wenn man von der Seite über den Bildschirm streicht. Finde ich etwas unglücklich, denn diese Geste kollidiert mit dem seitlichen Wischen, mit dem man zum nächsten Screen kommen kann. Hier hätte ich gerne die Möglichkeit, die Geste selbst zu konfigurieren. Etwa für vertikales Wischen, das tut nämlich gar nichts.

Bislang lief alles flüssig und schnell. Ich hab hier noch eine SIM-Karte mit mobilem Internet für Schweiz, Österreich, Italien und so. Da wird sich zeigen, wie tauglich die Dual-SIM-Möglichkeit ist. Die ja im Namen der Nachhaltigkeit implementiert wurde, damit man nicht mehr 2 Geräte für Arbeit und Privat braucht. Trotz aller Kritik am Fairphone - bis jetzt gefällt es mir gut, der Gedanke der Fairness ist konsequent in alle Bereiche umgesetzt. Mit allen hoffentlich noch kommenden und tiefschürfenden Diskussionen möchte ich behaupten, mit dem Fairphone den besten Kompromiss derzeit gefunden zu haben. Sowohl was Preis/Leistung als auch die Möglichkeiten anbelangt, braucht das Fairphone den Vergleich mit anderen Smartphones nicht zu scheuen (ja, ich weiss, die Kamera! Der Prozessor-Downgrade! Die Verzögerungen bei der Lieferung! Aber hey: Dual-SIM für den Preis? Unterstützung offener Codecs wie Vorbis? Rootrechte? 3D-selbstausdruckbare Hardcases?).