Der Berliner Bär erweist dem Jedermann-Frauenradsport einen Dienst

Ja, Ihr habt richtig gelesen: es heisst Jedermann-Frauenradsport. Die Jedermann-Sparte ist im Radsport das breite Sportfeld der ... Jedermänner eben. Also all der Radsportbegeisterten, die ohne Rennlizenz fahren.

Die Facebook-Seite des Velothon macht auf die Berlin Road Girls aufmerksam, die ein weibliches Jedermann-Team in Berlin günden wollen - für mehr Frauen im Radsport. Ich fahre seit meinem 14. Lebensjahr, also seit Anfang der 80er Jahre, begeistert Rennrad. Damals war eine rennradfahrende Frau eine verspottete Einzelerscheinung, bei etlichen Vereinen, bei denen ich nachfragte, kam sofort die Auskunft, dass ein Training sich nicht lohne, weil es keine Rennveranstaltungen für Frauen gäbe.

Erst mit dem Fahrradboom Ende der 80er, in dessen Zuge sich in Deutschland der Besitz eines Fahrrads zu einem Statussymbol entwickelte, Stichwort: Mountainbikes, verstärkt durch ökologische Aspekte des Verkehrskollaps', wurden Frauen im Radsport sichtbarer. Ein ähnlicher Trend zu mehr Frauen im Profi-Sport liess sich zu dieser Zeit auch im Fussball beobachten. Es gab eine Tour de France Feminin Grande Boucle Féminine und einen Giro d’Italia Femminile. Beide Rennen hatten es nicht nur schwer, Aufmerksamkeit in der Radsportpresse zu gewinnen. Sie wurden auch mit lustigen Kommentaren seitens der männlichen Sportskollegen à la "Da fahr ich doch mit einem Bein mit und mach den 1. Platz" oder "Hauptsache, die Farbe des Fahrrads passt zu der des Trikots" bedacht - Haha. Ha.

Bei mir persönlich gab es eine Radsport-Pause in den letzten Jahren. Durch meine Teilnahme am Velothon ist die Leidenschaft wieder wach geworden und ich suche nach Möglichkeiten, mich im Team zu organisieren. Da ich es nicht mit dem Lizenz-Rennsport halte, suche ich im Jedermann-Bereich (Hier, Gender-Freaks - Futter!), eigentlich eher nicht geschlechtergetrennt. Da freute mich die Ankündigung der Berlin Road Girls und ich mailte wegen einer Mitgliedschaft. Mir war nicht ganz klar, wo die Ausrichtung genau liegt - ein Rennteam im Jedermann-Bereich - daher habe ich auch mein Alter erwähnt, weil ich weiss, dass ich damit aus dem Rennalltag raus bin und ich ja auch nicht mit Lizenz fahren will.

Als Antwort kam "Wir suchen Mädels zwischen 28 und 36, tut mir leid ..." - OK. Nun ist so ein Team in Gründung und ich finde es legitim, zur Aufnahme eine Altersgrenze zu ziehen. Allerdings scheint mir das schlecht vereinbar mit den Zielen "mehr Frauen im Radsport" und "Jedermann-Rennteam" - da stelle ich mir schon vor, dass sich unter dem Dach der Berlin Road Girls mehrere Altersklassen-Teams bilden können. Breitensport eben. Daher fragte ich nach, woher die Altersgrenze käme und wie sie mit dem Jedermann-Konzept zusammenpasse, bzw wie damit mehr Frauen in den Radsport kommen sollten. Und erhielt zur Antwort, man wolle "ein junges visuell ansprechendes Team".

Altersdiskriminierende lookistische sexistische Kackscheisse von Frauen gegen Frauen.

Fun fact: eines der Mädels ist Jahrgang 1978, wird also 2014 aufgrund ihres Alters nicht mehr im von ihr gegründeten Team Mitglied sein dürfen ... hey, wait ... das ist ja schon nächstes Jahr‽

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  • Max am Confusion 26, 3179, 11:28

    Wie schon auf Twitter erwähnt: Leistung scheint ja bei denen nicht wichtig zu sein.
    Aber nächstes Jahr gibts vermutlich ganz bestimmt eine Regeländerung. ;)

    Ich erinner mich, dass ich früher, als ich noch jung war, auch gern in einen Freizeit-Radsport-Verein wollte. Das Rennrad Marke Eigenbau, welches ich von meinem Bruder übernahm und noch teilweise verbesserte, war denen aber nicht gut genug. Neuer Rahmen, andere Räder usw. Ich wollte doch damals auch nur Spaß an Gruppenfahrten haben und nicht in den Profisport, also wurde das nix.

    Beste Lösung, alles selber machen, also Gruppengründung und Organisation oder weiterhin alleine vor sich hin fahren.

  • Regine Heidorn am Confusion 26, 3179, 11:37

    Beim BDR kann man eine Einzelmitgliedschaft für Jedermänner beantragen, damit kann man an Radtouristikfahrten und Permanenten teilnehmen.
    Ich verstehe nicht so recht, warum es den einzelnen Landesverbänden und Vereinen immer noch so schwer fällt, den Breitensport mit weniger Einstiegshürden zu fördern. Ich hab mir mal die Webseiten der Berliner Vereine angeschaut - gruselig.
    Aber gut, dass Du darauf aufmerksam machst, dass es sich offensichtlich nicht nur um ein Geschlechter-Problem handelt - I like.

  • Kathleen am Confusion 56, 3179, 08:46

    Der Post hinterlässt mich gerade einigermaßen sprachlos. Nee oder? Kann nicht sein!?! Ist ja ne total schräge Nummer... Ein optisch ansprechendes Team: da purzeln mir mit offenem Mund nur noch drei magere "hahaha" raus.

    Puh, aber an der Stelle noch viel Spaß mit deiner neuen Mitgliedschaft beim BDR!

  • Arianna am Bureaucracy 12, 3179, 22:07

    Hi Regine! Du hast uns in deinem Blog leider falsch geschrieben. Roadgirls ist ein Wort, nicht zwei. Wär schön, wenn du das berichtigen könntest. Viele Grüße von der sexy Road-Front, Arianna

  • Jasmin am Bureaucracy 12, 3179, 22:37

    "Altersdiskriminierende lookistische sexistische Kackscheisse von Frauen gegen Frauen."

    Besser kann man so einen Mist nicht auf den Punkt bringen. Ziel ist es von denen, irgendwie Sponsoren für ihr Hobby abzugreifen - und sie haben erkannt, wie das am besten (bei Männern) geht - die Altersbegerenzung nach unten finde ich bemerkenswert :D höchstwahrscheinlich darf keine jünger als die gründerin sein :D

    Ride on! Mist gibt es überall ...

  • proll am Bureaucracy 13, 3179, 13:46

    Was für ein Aufgerege über Nichtigkeiten. Wer einen Club gründet wird ja wohl noch selbst Entscheiden dürfen wer da warum rein kann.

  • Thilo am Bureaucracy 13, 3179, 21:25

    Wenn man die Fluktuation im Berlin Roadgirls-Team in den Anfangswochen so mitverfolgt hat und auch Teile vom sonstigen Zicken-Alarm dort mitbekommt, mußt Du nicht traurig über die Absage. Mal gucken, wie lange das Team existieren wird....

  • Holger am Bureaucracy 32, 3179, 15:34

    Kackscheisse eben. Du willst doch nicht ernsthaft bei diesem Sexandthecity-Team mitfahren... ;-)

  • Regine Heidorn am Bureaucracy 32, 3179, 20:00

    Holger, gib's zu, Du willst mich doch nur zu der lookistischen, sexistischen und jugenddiskriminierenden Aussage provozieren, dass ich in meiner Altersweisheit schon vorhergesehen hätte, dass denen in ihrer sexy Jugendlichkeit nicht klar war, was sie da machen und wie sie mit ihrem "Konzept" zeigten, dass sie sich nicht trauen würden, mit Rennlizenz zu fahren, aber hier die großen Jungs spielen wollten. Und dass die eine davon schon genau aussähe wie so eine Zicke, die genau so reagieren würde.
    Aber ich hab das durchschaut und mache bei diesem Niveau-Limbo nicht mit! Ich lasse mich da zu genau nullkommanull Zugeständnissen hinreissen.

    Nein, Ironie beiseite: ich gönne es den Mädels, wenn sie da für sich was aufbauen können. Schliesslich gibt es immer noch nur wenige Frauenrennen. Und wenn sie es schaffen, sich da über lookistischen Sexismus Sponsoren an Land zu ziehen, finde ich zwar das Vorgehen zweifelhaft (und das auch für die Sponsoren), aber bin ansonsten völlig feministisch solidarisch. Plus: sie fahren wirklich gut, da hab ich schon allein rein radkollegialen Respekt.

    Ich für meinen Teil bin über diesen Blogpost in eine Facebook-Gruppe gekommen und hab dieser Tage mit den Jungs schon ein paar schöne Ausfahrten gehabt - ich hab also, was ich wollte, in angenehmer Gesellschaft, und muss mich da nicht groß als Frau herausheben, echt locker eben :-)

  • Holger am Bureaucracy 33, 3179, 16:13

    Erwischt! Schon weil nicht ich es war, der wegen alt und hässlich nicht mitradeln durfte, hatte ich darauf gehofft, dass du meinen Ekel in Worte fasst.

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