Berlin-Usedom und zurück

Auf ein verlängertes Wochenende nach Usedom, Freitag mit dem Fahrrad hoch, Montag wieder zurück - so der Plan. Für die Route nach Wolgast hatte ich 3 Möglichkeiten: den Fernradweg Berlin-Usedom (Berlin-Seebad Ahlbeck, 295 Km bzw mit Abkürzung 251 Km), eine Route, die mir in einem Facebook-Forum empfohlen wurde (Oranienburg-Krienke, 196 Km) und die (experimentelle) Navigation mit Google Maps, (202 Km).

Eine Testfahrt des Fernradwegs bis Joachimsthal war zwar schön, aber der Fernradweg reizte mich nicht für die gesamte Strecke. Da ich gerne lediglich mit dem Smartphone in der Trikot-Tasche fahre, um den Lenker völlig frei zu haben, wollte ich gerne die Navigation ins Ohr und entschied mich daher spontan für das Abenteuer mit GoogleMaps. Wohl wissend, daß ich 1. vermutlich Probleme mit der mobilen Internet-Versorgung kriegen würde und 2. die Streckenbeschaffenheit durchaus abwechslungsreich werden könnte. Um es kurz zu machen: 2. traf durchaus zu, geschätzt hatte ich 1 Km schieben durch weichen Sand, 10 Km fahren auf festeren Sand-/Feldwegen mit 23er Bereifung. Verbucht unter sportlich-unterhaltsame Herausforderung zur Verbesserung des Bike-Handlings :-)

Für die Rückfahrt sollte die Strecke optimiert werden. Was allein mit dem Smartphone gar nicht so leicht ist. Experimente mit Locus und OSMAnd waren zwar interessant, brachten mich aber nur bedingt weiter. Immerhin konnte ich aus Strava meine gefahrene Strecke als GPX exportieren (geht komischerweise nicht in der App, aber eingeloggt auf der Webseite o_O). In Locus liessen sich die GPX aus Strava und die Strecke aus dem Forum übereinander legen und siehe da - die Übereinstimmung war recht groß. In Locus gibt es zwar die Möglichkeit, entlang einer GPX-Route/Track zu navigieren. Irgendwann bekam ich Locus auch zum Sprechen, aber die Navigation erfolgt natürlich in Richtung der GPX-Daten. So etwas wie "navigiere den Track in umgekehrter Richtung" war nicht zu finden. Also griff ich wieder auf Google Maps zurück. Leider geht es in der App nicht, die Route an Punkten zu ziehen, wie das von der Webseite bekannt ist. Also notierte ich mir ein paar neuralgische Punkte, dachte mir eine alternative Strecke aus und liess die Maps-Navigation von einem solcher Punkte zum nächsten übernehmen.

Wolgast-Anklam, 0-37 Km

Auf der B111 durch Wolgast bis Schalense, dort links auf die L26 durch Hohendorf, Zarnitz, Hohensee, Zemitz, Buggow, Rubkow, vorbei an Daugzin rechterhand bis zur B109, die bis Anklam von einem gut asphaltierten Radweg flankiert wird.

Anklam-Woldegk, 37-85 Km

Folgt im Wesentlichen der B197 durch Pelsin, vorbei an Stretense, durch Sarnow, Boldekow, Kavelpaß, Friedland. In Friedland geht es über die Woldegker Chaussee auf die L281 durch Schönbeck und Golm über die A20 nach Holzendorf. Weiter vorbei an Pasenow und Friedrichshöh bis Woldegk. Zwischen Friedland und Woldegk liegen 20 Km mit der größten kontinuierlichen Steigung der Strecke von 18 auf 114 Höhenmeter. Aber auch sonst gibt es die ein oder anderen knackigen Anstiege gut verteilt bis kurz vor Berlin.

Woldegk-Templin, 85-132 Km, "Boitzenburger Land"

Diese Etappe ist hauptsächlich geprägt vom Boitzenburger Land, Boitzenburg liegt bei Km 110 der Strecke. Von Woldegk geht es weiter auf der L341, vorbei an Göhren und zwischen dem Grossen See und dem Dammsee über die Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern zu Brandenburg nach Fürstenwerder. Links auf den Parmer Weg, die L243 für ca. 1 Km, dann rechts einbiegen auf einen Radweg, der auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft. Es handelt sich dabei um den Radweg Spur der Steine, der in Fürstenwerder anfängt und auch schon ab da bis Templin befahren werden kann (das werde ich nächstes Mal machen, den Schlenker nach Boitzenburg kann man sich gut sparen, vor allem wenn man nicht scharf ist auf das harte grobe Kopfsteinpflaster in Klaushagen). Auf der Strecke von Fürstenwerder bis Boitzenburg teilt sich die Spur der Steine den Weg mit der Gutsherrenradtour und dem Uckermärkischen Radweg. Auf der Spur der Steine gibt es einen Abschnitt von 1 Km Länge, der ein gut befestigter Feldweg ist, lässt sich mit 23er Reifen noch flott befahren. Ich hab das gerne in Kauf genommen, da der Rest der Strecke gut asphaltiert ist schön rollt (aus Richtung Usedom stetig leicht bergan, von Berlin kommend macht es also noch mehr Spaß). Bei Krewitz fuhr ich weiter nach Boitzenburg auf der L243, danach die L217 durch Klaushagen (mit dem heftigen Kopfsteinpflaster), Jakobshagen, vorbei am Gleuensee, zwischen Bruchsee und Fährsee hindurch. Am Templiner See auf einem gut asphaltierten Radweg entlang der B109 bis Templin.

Die Strecke, die ich gefahren bin, ist hauptsächlich geprägt von holprigen Landstrassen. Alternativen wären 1. die Spur der Steine oder 2. eine Umfahrung von Fürstenwerder über Feldberg und Lychen nach Templin wie bei dieser Route.

Templin-Liebenwalde, 132-168 Km

5 Radrouten nutzen das FiletstückVon Templin bis Zehdenick geht es meist per asphaltiertem Radweg entlang der B109 durch Hindenburg, vorbei am Eldorado Templin, durch Hammelspring und Vogelsang. Ab Zehdenick gibt es einen sehr schön rollenden Radweg entlang der Havel - für mich das Filetstück der Strecke. Damit bin ich wohl nicht alleine, denn dieser Abschnitt wird gleich von 5 Radrouten genutzt: Rund um die Schorfheide, Ruppiner Seen Kultur Radweg, Havel-Radweg, Radfernweg Berlin-Kopenhagen und die D-Route 11 Ostsee-Oberbayern. Entsprechend gab es einige Begegnungen mit gut bepackten Reiseradlern.

Liebenwalde-Berlin, 168-212 Km

Der "Berliner Speckgürtel" lässt sich mit der Eisenbahn umgehen (ermüdet vom Kampf gegen den Wind habe ich auf dem Rückweg in Liebenwalde aufgegeben und liess mich auf der Schiene von Oranienburg nach Hause schaukeln): von Liebenwalde bis Oranienburg gibt es einen guten Radweg, 22 Km. Die Bahn fährt bis zum Bhf Lichtenberg. Mit dem Rad von Liebenwalde geht es weiter auf der L21 bis Zehlendorf, dort links auf die Stolzenhagener Chaussee (L29) nach Stolzenhagen. Google schlug hier eine Abkürzung über Rehmate vor, von der ich dringendst abraten möchte: ein unbefestigter Waldweg, teils sehr weicher Sand, teils aufgeweichter Matsch. Von Stolzenhagen geht es über die Basdorfer Strasse am Stolzenhagener See vorbei links ein kleines Stück (ca 600 Meter) auf der L273. Bei der Kreuzung rechts Richtung Seefeld führt gleich links der Basdorfer Weg zur B109, mit dem sich Wandlitz umfahren lässt. Am Ende rechts auf die B109 durch Basdorf, Schönwalde, Schönerlinde (kurz hinter Schönerlinde passieren wir die Berliner Landesgrenze) und Pankow nach Berlin hinein. Es gibt teilweise Radwege. Auf der Prenzlauer Promenade wird direkt der Fernsehturm angesteuert.

Fazit

Alles in allem war es eine sehr schöne Tour. Von Usedom zurück nach Hause machte sich der Wind bemerkbar, nicht sehr stark, aber doch stetig zu überwinden. Meine hauptsächliche Befürchtung war der Verkehr, aber das ging erstaunlich gut. Das mag auch an der Zeit gelegen haben: Fr vormittags in Berlin los, da geht selbst die Fahrt aus der Stadt heraus relativ entspannt. Im Berliner Umfeld war es tatsächlich am stressigsten (anhupen, meckern, zu nahes agressives Überholen). Zu einem guten Teil lassen sich gut ausgebaute Radwege nutzen, die allerdings manchmal abrupt abbrechen oder an unübersichtlichen Stellen (etwa kurz vor oder hinter Kurven) die Strassenseite wechseln.

Bezüglich der Navigation will ich in der nächsten Zeit mal mit Locus und OSMAnd experimentieren, da geht noch Einiges.

Für Pausen habe ich die Gaststätte Zum Keiler kurz vor Templin in guter Erinnerung: auf dem Hinweg bekam ich dort ein leckeres Bauernfrühstück auf Wunsch ohne Speck, freundliche Bedienung. In Woldegk auf dem Marktplatz gibt es eine Bäckerei mit einem Softeis-Früchtebecher :D Ich freu mich schon auf den nächsten Sommer, wenn ich wieder meine Freunde auf Usedom besuchen kann, die übrigens auch den Gepäcktransport übernahmen und mir damit eine unbelastete Fahrt ermöglichten.

Feed für diesen Eintrag

  • …Regine Heidorn Oops, I did it again: nach meiner letzten Usedom-Tour war klar, daß die Strecke Optimierungspotential hatte. Mit der jetzigen Route bin ich sehr zufried…
  • grueneGeranie am Bureaucracy 24, 3180, 12:03

    Total cool! Und ich dacht mir beim Lesen die ganze Zeit so "auch machen will. Aber über 200km sind für einen Tag vllt etwas viel" Und natürlich kommen mal wieder Pilgererinnerungssehnsüchte hoch *schmacht*
    Schafft man sowas ohne Training?

  • Regine Heidorn am Bureaucracy 24, 3180, 12:16

    Mir hat auf jeden Fall die Testfahrt des Fernradwegs gut geholfen: die Strecke bis Joachimsthal war mein "Spaß-Limit". Zu Jahresanfang wäre das für mich noch nicht denkbar gewesen, da bin ich noch bei 40 Km kläglich eingebrochen.

    Auf jeden Fall ist es wichtig, lange Zeit im Sattel verbringen zu können, ich hatte für den Hinweg 8 Stunden Fahrzeit, 11 Stunden mit Pausen. Nach der Testfahrt wusste ich, daß das Weiterfahren nach einer Pause am schwierigsten für mich würde. Darauf sowie auf die lange Strecke (den ganzen Tag nichts anderes tun als Radfahren - Yippiieeehh!) habe ich mich mental vorbereitet, das hat richtig gut funktioniert.

    Darüberhinaus bin ich früher, vor meiner großen Rad-Pause, öfter mal von Hannover nach Hamburg gefahren, das waren aber auch noch keine 200 Km - so viel am Stück bin ich tatsächlich hier zum ersten Mal gefahren.

    Untrainiert würde ich den Fernradweg in 2-3 Tagen empfehlen: bei gemütlichem Tempo, mit Pausen und Gepäck lassen sich um die 100 Km gut bewältigen.

  • Max am Bureaucracy 24, 3180, 12:40

    Respekt.
    Für soviel Radfahren bin ich nicht mehr fit genug, aber man muss ja auch nicht alles machen. ;)

    Zum Thema Navigation würde ich auch mal MapFactor in den Raum werfen. Ich hatte früher auch mal OSMAnd probiert, war aber mit den Sprachanweisungen und der Bedienung nicht zufrieden. Da gab ich MapFactor eine Chance und im direkten Vergleich bei OSM-Navigation (motorisiert), gefiel mir das deutlich besser.

    Erfahrungen mit GPX-Import habe ich da zwar auch nicht, aber evtl ist das nicht zwingend notwendig. Es lassen sich mit Fahrzeugprofilen und entsprechenden Zwischenzielen sicher auch recht leicht die gewünschten Routen erstellen.

  • Regine Heidorn am Bureaucracy 24, 3180, 12:44

    Danke, Max, ich werde MapFactor mal in meine Experimente aufnehmen :-)

  • bemme51 am Bureaucracy 24, 3180, 22:21

    innerhalb schlands empfehle ich die verdammt gut ausgeknobelten routen von radweit.de. ich hab die in einigen fällen zusammengestückelt und durch eigene teilstrecken verbunden. als gefaltetes A4 passen die in jedes trikot. ansosonsten fahre ich bis 200km gerne noch nach waschzettel, lässt sich recht fix über bikeroutetoaster erstellen. alles längere dann per navi, zumeist ne kombi aus gpsies (hat eben vernünftig viele kartenlayer), google (streetview) und ridewithgps. das ganze dann auf osm (garmin.openstreetmap.nl) auf'm edge. das hat zumindest für die 3400km des TCR und die zweieinhalb tage anfahrt nach london gut gefunzt. und bis 350km schafft man ja mit dem navi ohne steckdose.

    so, und nächste saison dann ne komplette brevet-reihe? \o/

    ps: näxtes mal wennde gen küste rollst sag mal bescheid, vllt. bin ich ja dann im lande.

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